10. 12. 1866
Brief an Wilhelm Kalliwoda
ID: A02331
| Absender: | Joachim Raff (C00695)
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| Erstellungsort: | Wiesbaden |
| Empfänger: | Wilhelm Kalliwoda (C00444)
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| Datierung: | 10. Dezember 1866 (Quelle) |
| Standort: | Goethe Schiller Archiv (Weimar) |
| Signatur: | GSA 96/2264 |
| Umfang: | 1 Seite |
| Material: | Papier |
| Schreibmittel: | schwarze Tinte |
| Incipit: | Lieber Freund! In den "Signalen" habe ich gelesen, |
Habe in den "Signalen" gelesen, dass der Papa des E.s dahingeschieden sei. Kondoliert. Habe im vergangenen August den schmerzlichen Fall erleben müssen, als der Schwiegervater gestorben sei. Komme nicht so bald nach Karlsruhe, werde die Stadt wohl am 1. Mai auf der Reise in den Süden passieren. Sei fleissig. Bald komme eine neue Symphonie zur Aufführung. Bülow sei nun in Basel, werde aber wohl nicht über das Frühjahr hinweg dort bleiben.
Lieber Kalliwoda!
In den "Signalen" habe ich gelesen, daß Ihr Papa dahingeschieden ist. Ich kann diesen Anlaß nicht vorübergehen lassen, ohne Ihnen herzlichste Sympathieen zu bezeigen. Daß der Verblichene nicht mehr alles durchzumachen hat, was wir jüngeren noch durchzumachen haben werden, ist weniger beklagens, als bemitleidenswerth. Indessen ist der Fall ja doch ein schmerzlicher, wie ich dies erst vorrigen August wieder zu empfinden hatte, als mein lieber Schwiegervater während seines Besuches bei mir verschied.
Lassen Sie mich hoffen und glauben, daß Sie munter und rüstig weiter wirken werden. Irgend ein Lebenszeichen von Ihnen zu gewahren wird mich sehr freuen. Nach Carlsruhe komme ich sobald nicht. Doch werde ich wahrscheinlich am 1. Mai durch die Stadt passiren, wenn ich nach dem Süden reise.
Lassen Sie mich erfahren wie's dort und zumal wie's Ihnen geht. Was mich anlangt, so bin ich fortwährend fleißig, und bringe demnächst eine neue Symphonie in 4 Sätzen hier zur Aufführung.
In Basel ist jetzt Bülow, wird aber wohl nicht über's Frühjahr dort bleiben. Er hat mir von dort öfter geschrieben.
Daß wir preußisch sind, kömmt uns hie und da noch traumhaft vor. Aber man gewöhnt sich dran.
Leben Sie wohl für heute, und erhalten Sie Ihre freundschaftlichen Gesinnungen an
Ihrem
ergebenen
Joachim Raff
Wiesbaden
10. Dec. 66.