Absender: Doris Raff (C00693)
Erstellungsort: Frankfurt a. M.
Empfänger: Hans von Bülow (C00114)
Datierung: 4. August 1882 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana IX, Bülow, Hans von Nr. 7
Umfang: 4 Seiten
Material: Papier
Incipit: Lieber, verehrter Freund!
Schon längst hätten Sie einmal Nachricht von uns erhalten,

Wollte dem E. einen Abguss von Raffs Totenmaske mitsenden, was nicht gemacht werden konnte, da zuerst eine Büste nach der Maske modelliert werden soll. Schickt ein paar Andenken von ihrem Mann: seinen Taktstock, das kleine Zigarrenetui und ein paar Federn. Wolle morgen auf einige Zeit in die Schweiz. Der vereinsamte Schreibtisch Raffs sei gar zu entsetzlich für sie. Der Verleger der "Herbstsymphonie", Linnemann, habe ihr erklärt, dass er sein Versprechen, das er ihrem Mann gegeben habe, nicht halten könne. Der Verleger der "Waldsymphonie", dem sie das Werk angeboten habe, bot 500 Mark. Lasse das Werk daher vorläufig liegen. Bittet um Rat. Am 16./17. August seien sie in Meiringen. Beziehe am 1. September eine andere Wohnung. Helene schreibe dem E. von der Reise, wenn das Skizzieren sie dazu kommen lässt.

Frankfurt a/M d. 4ten August 82. Lieber, verehrter Freund! Schon längst hätten Sie einmal Nachricht von uns erhalten, obwohl Sie auch ohne sichtbares Zeichen von unserem treuen Gedenken an Sie überzeugt sein können, wie wir ja sicher sind, daß Sie unser gedenken. Ich wollte Ihnen aber gern einen Abguß der vortrefflichen Todtenmaske von Raff mitsenden. Leider konnte er bis jetzt nicht gefertigt werden, da erst eine Büste nach der Maske modellirt werden soll. So müssen Sie noch Etwas darauf warten. Einstweilen schicke ich Ihnen ein Paar kleine Andenken von meinem lieben Mann. Seinen Taktstock, das kleine Cigarrenétui welches er am liebsten auf Spaziergängen bei sich trug u. ein Paar Federn mit denen er am letzten Tag seines Lebens noch geschrieben. Was uns betrifft, so wollen wir morgen auf einige Zeit in die Schweiz. Mein Befinden ist gar kein Besonderes u. so will ich sehen ob ich in anderer Luft, anderen Räumen kräftiger an Leib u. Seele werde. Der vereinsamte Schreibtisch Raff’s ist gar zu entsetzlich für mich. Neben dem Keulenschlag des Schicksals, kamen die Nadelstiche. Der Verleger der „Herbstsymphonie“ Herr Linnemann erklärte mir: sein darauf bezügliches Versprechen nicht halten zu können. Der Verleger der „Waldsymphonie“ dem ich sie anzubieten das meiste Recht zu haben glaubte, bot mit 500 Mark dafür – und so lasse ich das Werk vorläufig liegen. Das Andenken meines Mannes soll mir durch dergleichen Marktereien nicht beschmutzt werden. Auch Sie bitte ich nicht weiter darüber zu reden. Wollen u. können Sie mir einen Rath ertheilen nehme ich ihn dankbar an. Wir sind bis 16ten 17ten August in: Meiringen, Hasli-Thal im Hotel zum „Bären“! Am 1ten September beziehe ich hier eine andere Wohnung, deren Adresse ich Ihnen später mittheile. Es ist mir eine wahre Wohlthat zu denken daß wir Sie im November wiedersehen u. sprechen zu können. Helene schreibt Ihnen von der Reise – wenn das Skizzieren sie dazu kommen läßt. Einstweilen grüßen wir Alle herzlichst. Stets Ihre treu ergebene Doris Raff. copyright Simon Kannenberg


Zitiervorschlag: Raff, Doris: Brief an Hans von Bülow (4. 8. 1882); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 21. 4 2026.