Lieber Freund!
Beifolgend die gewünschte „Erklärung“. Dann lege ich eine kleine Notiz bei, die ebenfalls aus der Feder der „Curatoren“ geflossen ist.
Besten Dank daß Sie den Verlust des Syrakuser’s mit so viel Liebenswürdigkeit aufgenommen haben. Ich war derselben, von Seite meines Mannes nicht so gewiß u. theilte ihm den Umfang des malheur’s nicht mit. Darum konnte ich ihm auch Ihre letzte Postkarte nicht zeigen u. Sie müssen so gut sein sich wegen Urlaub des Herrn Schwarz an Raff selbst zu wenden. Oder Sch. braucht es ihm nur zu sagen. Es ist ja ganz zweifellos daß er für die Paar Tage Urlaub erhält. Die 3 Klavierlehrer: Fälten, Roth, Schwarz stehen schon so hübsch collegialisch miteinander, daß Einer dem Anderen die Stunden übernehmen würde – wenn es sich nothwendig machen sollte, was ich nicht glaube. Hr. Schwarz spielt Anfang Dezember in einem Conzert des Lehrer-Vereins hier. Da trifft es sich ja sehr gut, daß er sich vorher von Ihnen „überhören“ lassen kann.
Ueber die Besserung Ihrer Nerven freue ich mich natürlich sehr. „Eisen“ ist gewiß gut für Ihren Zustand.
Frankfurt dreht sich jetzt nur um die Vollendung des „Opernhauses“! Arbeiter u. Zuschauer wimmeln wie ein Ameisenhaufen in u. um dasselbe. Noch ist nicht Alles fertig u. in drei Tagen kommt der Kaiser um der Eröffnung beizuwohnen!
Interessirt es Sie Etwas über die erste Vorstellung im neuen Hause zu hören? – dann schicke ich Ihnen Zeitungsbericht.
Sind Sie wirklich Mitarbeiter für „Goldsteun“?
Herzlichste Grüße von Schwester Toni, Helene u.
Ihrer treuen Freundin
Frankfurt D. Raff.
d. 17. Okt. 80.
copyright Simon Kannenberg