Absender: Joachim Raff (C00695)
Erstellungsort: Wiesbaden
Empfänger: Hans von Bülow (C00114)
Datierung: 17. April 1875 (Quelle)
Standort: Sächsische Landesbibliothek (Dresden)
Sammlung: Staats- und Universitätsbibliothek
Signatur: Mscr.Dresd.App.2551,54
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Lieber freund!
Der Kukuk hole die „Agenten“ im Allgemeinen und hr Dolbÿ
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Schickt die "Agenten" und insbesondere Dolby zum Kuckuck. Bedankt sich für Nachrichten über Hartvigson und Klindworths Brief. Schickt in der Anlage einen Beleg für das Sprichwort "der Esel hat ein langes Ohr" aus Amerika, der unter der Aegide von Zopff in Leipzig das Licht Germaniens erblickt habe. Zeigt sich erfreut über die Kunde vom Vortrag der "Metamorphosen" durch den E. und dessen Besuchsabsichten. Fragt, ob der E. nicht einen Tag länger bleiben und spielen wolle. Heyl sei natürlich heilfroh. Seine Frau habe sich gestern zwei Zahnwurzeln ziehen lassen, dem Kind gehe es gut. Es sei unbestimmt, wann seine Frau Urlaub habe, resp. sie weggehen, da während der Anwesenheit des Kaisers und später seines Bruders [Prinz Karl] "fortgespielt" werden müsse.

Lieber freund! Der Kukuk hole die „Agenten“ im Allgemeinen und hr Dolbÿ im Besondern. Sind diese herren schon nothwendige Uebel, so müssen Sie wenigstens ihre Nothwendigkeit klingend darthun können, wenn nicht, dann.... Aber was hilft der Aerger! Schließlich würde ich mich noch eher beruhigen, wenn’s irgend Jemand sonst betroffen hätte, daß es aber just an dich gekommen, das ist mir sehr eklig. Bessarabien? Kann dir versichern – ob Spaß oder Ernst – daß dir das kaum entgeht, wenn dir dran liegt. für Nachrichten über Hartvigson u. s. w. item Klindworths Brief danke ich, und behändige dir letztern hiemit wieder. Zu „der Esel hat ein langes Ohr u. s. w“ kannst du in Anlage einen neuesten Beleg aus America finden, der unter der Aegide von Dr Zopff in Leipzig das Licht Germaniens erblickt hat. Doch genug von den unangenehmsten und thörichtsten Dingen! Erfreulichst ist mir in deinem briefe nicht allein die Kunde von deinem Vortrag der „Metamorphosen“ gewesen, sondern die darin ausgesprochene Absicht, mich hier zu besuchen. Nun Anfrage: Willst du nicht einen Tag länger hier bleiben und spielen? Es wäre doch immer ein beitrag zu den Reisespesen. Heÿl ist natürlich heilfroh, wenn du es thun willst, noch froher aber alle Leute, die dich hören können. Es ist weiter Nichts nöthig, als daß du schreibst, wann du kommst, und was du spielst /: natürlich Nichts von mir, denn die Leute werden hier gegen meinen Willen und aus mir unbekannten Gründen mit meiner Musik übersättigt :/. hoffe übrigens, daß dein körperliches befinden sich gebessert habe und daß es auch den verehrten Deinigen wohl ergehe. Meine frau hat sich gestern zwei Zahnwurzeln ausziehen lassen, und befindet sich darauf wohler, dem Kinde gehts – unberufen – gut. Wann meine frau Urlaub hat, resp. wir weggehen, ist völlig unbestimmt, da während der Anwesenheit des Kaisers und später seines bruders „fortgespielt“ werden muß. Mit den besten Grüßen von uns dein getreuer JoachimRaff. Wiesbaden 17. April 1875. copyright Simon Kannenberg



Bereitgestellt durch: Sächsische Landesbibliothek Dresden (SLUB)



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Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Hans von Bülow (17. 4. 1875); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 22. 4 2026.