Lieber freund!
Der Kukuk hole die „Agenten“ im Allgemeinen und hr Dolbÿ im Besondern. Sind diese herren schon nothwendige Uebel, so müssen Sie wenigstens ihre Nothwendigkeit klingend darthun können, wenn nicht, dann.... Aber was hilft der Aerger! Schließlich würde ich mich noch eher beruhigen, wenn’s irgend Jemand sonst betroffen hätte, daß es aber just an dich gekommen, das ist mir sehr eklig.
Bessarabien? Kann dir versichern – ob Spaß oder Ernst – daß dir das kaum entgeht, wenn dir dran liegt.
für Nachrichten über Hartvigson u. s. w. item Klindworths Brief danke ich, und behändige dir letztern hiemit wieder.
Zu „der Esel hat ein langes Ohr u. s. w“ kannst du in Anlage einen neuesten Beleg aus America finden, der unter der Aegide von Dr Zopff in Leipzig das Licht Germaniens erblickt hat.
Doch genug von den unangenehmsten und thörichtsten Dingen!
Erfreulichst ist mir in deinem briefe nicht allein die Kunde von deinem Vortrag der „Metamorphosen“ gewesen, sondern die darin ausgesprochene Absicht, mich hier zu besuchen. Nun Anfrage: Willst du nicht einen Tag länger hier bleiben und spielen? Es wäre doch immer ein beitrag zu den Reisespesen. Heÿl ist natürlich heilfroh, wenn du es thun willst, noch froher aber alle Leute, die dich hören können. Es ist weiter Nichts nöthig, als daß du schreibst, wann du kommst, und was du spielst /: natürlich Nichts von mir, denn die Leute werden hier gegen meinen Willen und aus mir unbekannten Gründen mit meiner Musik übersättigt :/.
hoffe übrigens, daß dein körperliches befinden sich gebessert habe und daß es auch den verehrten Deinigen wohl ergehe. Meine frau hat sich gestern zwei Zahnwurzeln ausziehen lassen, und befindet sich darauf wohler, dem Kinde gehts – unberufen – gut. Wann meine frau Urlaub hat, resp. wir weggehen, ist völlig unbestimmt, da während der Anwesenheit des Kaisers und später seines bruders „fortgespielt“ werden muß.
Mit den besten Grüßen von uns dein getreuer
JoachimRaff.
Wiesbaden 17. April 1875.
copyright Simon Kannenberg