Lieber Freund!
Anbei erfolgt die neue Abschrift der Soloparthie meines C-moll Concertes.
Leider bin ich mit zwei Aufträgen an dich versehen, die mir recht sauer werden auszurichten. Aber sei’s!
Der erste kömmt von Müller u. seiner Capelle. Die Leute bekommen ein Benefice-Concert u. möchten nun, daß du Ihnen dasselbe dirigirtest. Das Concert würde am 25. stattfinden, das Programm ist dir anheimgestellt, doch wünscht man, daß du das Concert mit „des Sängers Fluch“ eröffnetest u. mit dem „Marche des Imperiaux“ schlößest. Die Kapelle soll ad hoc bedeutend vermehrt, resp. auf einen für dich annehmbaren fuß gebracht werden (cca 70 Mann). Honorar is nich. Sonst aber glaub’ ich, daß du Spaß an der Sache haben könntest. Mir ist’s auch sehr angenehm, denn da könntest du doch schon am 22.–23. her, und es wird immer brav drauf los musicirt, weil du jetzt schon einige Tage Ruhe gehabt hast, was natürlich nicht sein darf.
der zweite Auftrag ist noch ekliger. die fichtner, welche das nämliche Stück von Liszt auf dem Programm hat, wie du, hat sich durchaus nicht abwendig machen lassen, es zu spielen, obgleich ihr der Cur-Commissar dieserhalb sehr dringlich geschrieben hat. Da du nun jedenfalls mehr Lisztsche Sachen auf dem Repertoire hast als die fichtner, ein Wechsel dich auch weniger gerirt als diese, so bitten dich alle betheiligten, du mögest doch eine andere Lisztsche Composition wählen.
So, das wär’s. Sei nun so lieb, u. schreib mir bald einen Bescheid. Verwundere dich nicht, daß ich dir die Concert-Partitur nicht schicke. Die Blasinstrumente werden eben ausgeschrieben, und ich kann mein Exemplar nicht entbehren. Aber bis du herkömmst, ist das soweit in Ordnung, daß du die Partitur haben kannst, was zum Einstudiren da u. dort entschieden von Nutzen sein dürfte.
Leb’ wohl für heute!
dein
JRaff.
copyright Simon Kannenberg