Absender: Joachim Raff (C00695)
Erstellungsort: Wiesbaden
Empfänger: Hans von Bülow (C00114)
Datierung: 2. Juni 1873 (Quelle)
Standort: Joachim-Raff-Archiv (Lachen/SZ)
Sammlung: Sammlung Marty
Umfang: 1 Seite
Material: Papier
Incipit: Lieber Freund!
ich hatte gehofft, dir mit diesen Zeilen die Solostimme des Concertes
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Wollte dem E. die Solostimme des ihm gewidmeten Klavierkonzerts. Beim Buchbinder ("Buchschinder") habe es jedoch Probleme gegeben. Könne das Heft erst in der ersten Juli-Woche senden. Verreise für vier Wochen. Der E. könne alles vom Blatt spielen. Hofft, dass der E. bereits am 28. oder 29. Juli hier sein könnte, um Einsicht in die Partitur zu nehmen, die symphonischer sei als alle weiteren seiner Stücke. Der Partitur gehe es besser als der Stimme, Müller meine, sie lesen zu können. Berichtet vom Tod des Schwagers Merian. Sei nach Weimar zum "Christus" gereist, letztere unter Liszts Leitung, mangelhaft. Wagner mit Frau und Lulu, Muchanoff und Schleinitz. Liszt habe ihn eine Stunde vor seiner Abreise besucht. War bei Ankunft des letzten Briefs des E.s schon mit Leitert abgeschlossen. Frau und Tochter grüssen schönstens.

Lieber Freund! ich hatte gehofft, dir mit diesen Zeilen die Solostimme des Concertes einsenden zu können. Dies ist nun leider nicht der Fall. Der buchbinder hat das Heft feucht und ohne Einlage von Löschblättern gebunden und gepresst; die Schrift ist daher unleserlich geworden, und ich kann dir das Concert erst in der ersten Woche Juli schicken, da ich morgen auf 4 Wochen verreise. Da das Werk keine Dinge enthält, welche du nicht vom blatte spieltest, so handelt es sich eben doch nur um Kenntnißnahme, und wenn du schon am 28. od. 29. Juli hier sein könntest, um Einsicht in die Partitur, welche im Ganzen weit sÿmphonischer ist, als alle meiner Vorgänger. Die Partitur hat, weil älter, weniger unter den Unbilden des buchbinders (buchschinders?) gelitten, und Müller meint, dieselbe gut lesen zu können. Der „städtische“ nämlich dirigirt die Curconcerte. Am 20. v. M. starb mein armer, lange schon seiner Auflösung entgegenharrender Schwager Merian. Am 27. reiste ich nach Weimar zum „Christus“ 28. Generalprobe 29. Aufführung. Letztere obgleich unter Liszts Leitung, doch recht mangelhaft, namentlich im Orchester. Wie es scheint, nicht genügend vorbereitet. Wagner u. frau mit Lulu. Muchanoff, Schleinitz etc. Da in tiefer Trauer, war ich nirgends zu sehen. Liszt besuchte mich 1 Stunde vor meiner Rückreise am 30. Sei froh, dass du nicht dort warst. – Mit Leitert war bei Ankunft deines letzten briefes nebst Anlagen schon abgeschlossen. Man muß jetzt sehen, wie er thut. Wenn es mit ihm nicht geht, kann man immer noch eine Veränderung eintreten lassen, ehe der herbst kömmt. Leb’ nun wohl für heute. Meine frau u. Tochter grüßen schönstens. Stets dein Wiesbaden, 2 Junj 1873. JoachimRaff.


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Hans von Bülow (2. 6. 1873); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 13. 6 2026.