Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Godesberg
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 17. September 1876 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 135
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Mein verehrter Freund,
keinen Brief – sondern nur eine flüchtige Anzeige – daß mein Fatum dießmal keinen Besuch bei Dir zuläßt
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Könne keinen Besuch beim E. machen. Erwählte sich Hannover zum Winterquartier wegen Bronsart und eines guten Dauer-Arztes.

Mein verehrter Freund, keinen Brief – sondern nur eine flüchtige Anzeige – daß mein Fatum dießmal keinen Besuch bei Dir zuläßt. Ich halte es zwar hier nicht länger aus – Hoffnung und Geduld sind bis auf die Hefe erschöpft (ich selber leider auch) – „wir sind vergebens hier gewesen“ – allein es drängt mich in mein provisorisches Winterquartier. Dieses soll für den Rest des Jahres das für mich einestheils ganz neutrale (ich bin dort nur mäßig „berühmt“) anderentheils durch unseres trefflichen Bronsart’s und eines guten Dauer-Arztes (nicht blos zum Consultiren) Gesellschaft lockende – Hannover sein. Br. besuchte mich auf der Rückkehr von B–th und schlug meiner durch die schlechten Umstände hervorgerufenen Planlosigkeit seine Residenz als retiro vor. Ich acceptirte in einem seltnen raptus Vorschlag und die von ihm für mich entdeckte Wohnung (vom 1 Okt. – 8 Marienstr.) Ich hatte stets noch auf Besserung und infolge dessen Möglichkeit nach Wiesbaden zu exkurriren gehofft: leider ists nun – besser, daß Ihr mich jetzt nicht zu sehen bekommt. Nimm mirs nicht übel, daß ich Euch gewissermaßen so lange in der Schwebe gelassen. „Kommt er nun, oder kommt er nicht“? – „Weiß ichs“? – „Das ist aber recht langweilig“ – Solcherlei Redensarten denke ich mir bei Euch jüngster Zeit des Häufigen lautbar geworden. So mögen denn nun diese Zeilen ein interessanteres Thema aufs Tapet bringen! Hättest Du die Güte, landsleutigen Tonkünstlern, Musikhändlern u. dgl. – falls sie Dich darob belästigen sollten, meine provisorische Adresse zu verschweigen? Ich bin jeden Verkehres noch gänzlich unfähig – ungewiß, ob es überhaupt nicht dabei bleiben wird! Sobald diese Befürchtung sich als unbegründet auflöst, bin ich so frei, es Deiner freundschaftlichen Theilnahme kund zu thun. Einstweilen herzlichste Grüße und Wünsche für Euer Aller Wohlergehn! Dein treuergebener heruntergekommener Godesberg, 17 Sept. HvB. [copyright Simon Kannenberg]



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Bereitgestellt durch: Bayerische Staatsbibliothek München (BSB)
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (17. 9. 1876); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 21. 4 2026.