Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Godesberg
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: September 1876 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 134
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter Freund,
besten Dank für Mittheilungen. Ich vermag leider noch nicht
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Könne wegen Gesundheitszustand noch nicht reisen. Entschuldigt sich für die Missbezeichnung der Symphonie op. 201. Wusste noch nichts von den Klavierquartetten [op. 202 Nr. 1, op. 202 Nr. 2]. Hatte die drei Streichquartette im Sinn [op. 192 Nr. 1, op. 192 Nr. 2, op. 192 Nr. 3]. War gerührt von den Zeilen der Schwägerin des E.s. Werde trotz Genths Abreise die hiesige Besserungsanstalt nicht früher verlassen.

Godesberg, 1/IX 76. Verehrter Freund, besten Dank für Mittheilungen. Ich vermag leider noch nicht so bald zu reisen, da das ungünstige Wetter meine Leiden wieder verschlimmert. Außerdem ist es mißlich einen Arzt zu consultiren, der selber Patient ist – ich habe das schon des Öfteren erfahren – ; auch wäre es mit einer einzelnen Consultation nicht abgethan; ich bedürfte wiederholter Examination, da mein Zustand ein höchst complizirter ist. Erwarte mich also vorläufig noch nicht: Dir wird es übrigens ebenfalls wohl thun, eine Zeitlang wieder unbesucht zu bleiben, namentlich von einem so berechtigt hypochondrischen Menschen, der seinen Freunden vor Allem die Höflichkeit schuldet, sich versteckt zu halten, bis er wieder etwas erträglicher sich ausnimmt. Entschuldige die Mißbezeichnung Deiner Sinfonie. Ich habe seit Anfang des Jahres keine Musikzeitung zu Augen bekommen. Von den Klavierquartetten wußte ich noch nichts – Du bist ein wahres Erdenwunder! – es schwindelt Einem nur davon zu hören, was Du Alles leistest – ich hatte die mir noch fremden neuen drei Streichquartette im Sinne. Du magst übrigens Recht haben – daß ich besser thue, mich aller geistigen Anregung noch zu enthalten; die vorigen Herbst ziemlich entwichenen Folgen meines vor anderthalb Jahren erlittenen „leichten“ Gehirnschlages – sind stärker hervorgetreten – neuerdings. Der halbe Taumel in dem ich mich den größten Theil des Tages befinde, die Incohärenz im Denken und Sprechen macht mich deßhalb auch für mündl. wie schriftl. Verkehr ziemlich ungeeignet. O ich büße recht hart, glaube mir! War sehr gerührt über die liebenswürdigen Zeilen Deiner verehrten Frau Schwägerin; bitte ihr vielmals zu danken. Es schmerzt mich sehr, daß ich sie verfehlen werde; aber .... es würde ihr leid thun, mich in dem reduzirten gegenwärtigen Zustande wiederzusehen und mir wäre das auch sehr peinlich, ihr „leid zu thun“. Ich fühle mich sehr schwach heute – wollte aber nicht zögern, Dich zu benachrichtigen, daß ich mich durch die Meldung von Dr. Genths bevorstehender Abreise nicht zu früherem Verlassen dieser hiesigen Besserungsanstalt (ohne Erfolg) bestimmen lassen kann, leider .... Herzlichste Grüße und Wünsche allerseits. Treulichst Dein ganz ergebener HansvBülow. [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (1. 9. 1876); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 11. 3 2026.