Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: London
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 9. Mai 1875 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 129
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter Freund,
Dank für Deinen Brief. Große Sensation (Hartvigson, Bache, ich selber)
Veröffentlichung: Bülow, Briefe 5, S. 267f; Kannenberg 2020.

Die Neuigkeiten über "Klavierkonzert Nr. 2" [Suite op. 200] mache Sensation bei ihm, Hartvigson und Bache. Fragt, ob der E. die Analyse von Barry erhalten habe. Werde aus gesundheitlichen Gründen später beim E. ankommen. Fragt, ob der E. de Swert kenne. Berichtet über "Lohengrin"-Aufführung. Habe seine Ansichten bezüglich des Autors nicht geändert, nur gegen dessen Schwiegervater. Habe mit seiner Schülerin Beesley Liszts E-Dur-Konzert, Bach und Schumann gespielt. Möchte "D-Dur" des E.s in Amerika inaugurieren [op. 200? steht jedoch in Es-Dur]. Fragt, ob es möglich sei, Hartvigson für ein Saisonkonzert zu engagieren.

London, 9 Mai 75 Verehrter Freund, Dank für Deinen Brief. Große Sensation (Hartvigson, Bache, ich selber) über Klavierconzert No 2 (hoffentlich – verzeih – ohne Posaunen und so viele den Pianisten niederrollende Paukenwirbel, deren einige in C moll zu streichen ich so frech gewesen bin) – wann kommts heraus? Können nicht ein paar rohe Abzüge hierher gesandt werden? Hast Du Barry’s sehr „anständige“ Analyse Deiner zweiten Sinfonie erhalten? In einem verlornen Momente („gäbe es dergleichen“) beglücke ihn mit einer halben Seite Antwort – er verdients mehr als andre oder schreibe ihm eine kleine Skizze (8 Takte) für sein Album. Ja? Meine Ankunft verzögert sich aus gesundheitl. Gründen. Meine [.....] rechte Seite ist so chronisch gichtig ädaß ich die Hülfe eines Mannes in Anspruch nehmen muß, dessen Profession auf dem Continente schwerlich, wenn überhaupt, so gut vertreten ist als hier im Vaterlande der Rheumatismen und der Nevralgie. Ein Leichnahmreiber (nicht Räuber – oh!) À propos sollte Deine liebe Frau an Nevralgie leiden, so sag’s mir – ich kann hier ein Kapital-Mittel dagegen für sie auftreiben!å Kennst Du den Cellisten de Swert? Er zuckt über neue Violoncellconzerte die Achseln spielt eines von sich*), dessen gründliche Langweiligkeit ihm die Aussicht auf weitere Engagements verdientermaaßen versperrt hat. *)„Sich“ ist ein böser Virtuosencomponist.) Lohengrin soll gestern in Cov. Garden eine sehr unintelligente Ausführung und kalte Aufnahme gefunden haben. Ich sagte das voraus. Wohl mir daß das Alles hinter mir liegt (nb. nicht als ob ich bez. des Autors meine Ansichten geändert – dieß hat nur betreffs seines Schwiegervaters stattgehabt.) Großer Erfolg gestern einer engl. Schülerin von mir, Mrs Beesley der ich Liszts Es dur Conz. in der New Philh. dirigirt, mit ihr auch Bachs C moll Dipteralconzert u. do Schumanns Var. vollführt. Meine Popularität hat sich aufs Neue dabei in der zukunftsreichsten Weise manifestirt (gut für Nach-Amerika) ◊1äIch werde Dich nicht mit meinem Ankommen belästigen, zumal ichs nicht genau vorausbestimmen kann; ich steige eben im Adler ab, wo man ja stets Platz und leidlichen Platz findet. Leb’ wohl und bitte, bitte, überarbeite Dich nicht. Dein Hirn leistet zu Übermenschliches! Herzlichste Grüße einstweilen von Deinem treuergebenen Bülow. Selbstverständl. hoffe ich D dur in Amerika zu inauguriren! Wärs möglich Hartvigson zu einem Saisonconzert zu engagiren? Der könnte es unter Deinen „Ohren“ z. e. M. zu Gehör bringen. Wenn er sich [dran?] \an etwas/ macht, ist er stätig tüchtig. å [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (9. 5. 1875); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 22. 4 2026.