Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: London
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 28. April 1875 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 128
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter Freund!
..... „und ihres Bellens lauter Schall beweist nur daß wir reiten.“
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Freut sich über das Londoner Publikum. Am 24. im Crystal Palace Konzert c-Moll op. 185 mit enormem Applaus, dasselbe in der St. James Hall mit "Lenore" op. 177. Die Engländer haben den E. schneller adaptiert als Brahms oder Schumann. Erwarte Ullman und schliesse den Vertrag ab. Will den E. auf der Durchreise nach München besuchen. Gehe dann zu Klindworth ins Tirol. Empfehlungen an die Frau, Grüsse an Helene. Habe Hartvigson unrecht getan. Habe einen Brief von Barry erhalten. Fragt, wie der E. die "Zopffzeitung" zu einem anderen Zwcke als zu exkrementalem Epilochisieren in die Hand nehmen könne.

Verehrter Freund! ..... „und ihres Bellens lauter Schall beweist nur daß wir reiten.“ Das Londoner Publikum ist – soweit das mögl. – ein Prachtkerl, weit spontaner, independenter als unser continentalen.◊1 Samstag 24 im Krystallpallast exquisite Aufführung Deines Cmoll conzerts (ich spiele es jetzt um 2 Jahre besser) und enormer Beifall; ziemlich dasselbe zu gleicher Stunde in St. James Hall widerfuhr der „Leonore“ – deren Marsch dacapirt werden mußte. Scheer Dich den Teufel um das Geschreibe – die Engländer haben Dich adoptirt – rascher als sie es mit Brahms, weit rascher als sie’s mit Schumann seiner Zeit nb. unter weit bissigeren Hundegebelle gethan. Du wirst in Bälde hiervon die unwiderleglichsten Beweise erhalten. Macte virtute tua u. s. w. Herzlichsten Dank für Deinen theilnahmvollen Brief.. Ich schweige von meinen eignen Affairen – erwarte dieser Tage Ullman u. schließe definitiv ab für Amerika (Abreise Ende August) Gegen den 12 Mai verlasse ich London und wenns Dir convenirt besuche ich Dich auf zwei Tage auf der Durchreise nach München. Im Juni gehe ich ins Tyrol zu Klindworth. Was dann weiter ist noch nicht fixirt – Klavierspielen, näml. öffentliches unter keinen Bedingungen; ich habe mich absolut „ausgegeben“. Also bitte ums Himmelswillen keine Engagementsvermittlung; in Geldverlegenheit bin ich ja nicht; wenn mich der Raubanfall auch ein weiteres Lebensjahr kostet. Herzliche Empfehlungen Deiner verehrten Frau, schönste und über ihre Verslein beifallnickendste Grüße an Frl. Helene. In „Kürze“ Dein treuergebener 28 April 1875 Bewunderer Bülow. ◊2Dem Fritz Hartvigson habe ich in meinen neulichen Zeilen an Dich (unmuthsvoll) doch Unrecht gethan; er ist seit 10 Tagen wieder hier und seine vielen guten Qualitäten haben mich genügend mit seinen schlechten – ausgesöhnt. Ein gew. Barry hat Dir geschrieben – ein etwas lederner, aber honnetter und nicht dummer Gesell. Wie kannst Du die Zopffzeitung zu anderem Zwecke in die Hand nehmen als zu exkrementalem Epilochisiren? [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (28. 4. 1875); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 11. 4 2026.