Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Amsterdam
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: Quelle undatiert
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 112
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter Freund,
Brief – is nich – aber Telegramm in Briefform
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Habe die Symphonie op. 167 des E.s mit wahrer Wollust genossen. Das Scherzo habe Verhulst überhetzt, das Finale verschleppt. Dieser sei ein schlechter Dirigent und mache in einem der nächsten Konzerte die Waldsymphonie op. 153, die er in Den Haag bereits zur Aufführung gebracht habe. Das Bronsart-Konzert sei nicht übel gegangen und habe gefallen. Habe wie in Brüssel und Antwerpen einen noch nicht erlebten Erfolg gefunden. Empfehlungen an Frau, Grüsse an Zimmerhelene. Vieuxtemps werde ebenfalls nächstens die Symphonie g-Moll in den Concerts populaires loslassen. Lobt die Orchestrierung. Hofft, das Werk selbst bald zu dirigieren.

Amsterdam, 18/19 Jan. 73 Verehrter Freund, Brief – is nich – aber Telegramm in Briefform – Form is nich. Wollte Dir nur sagen, daß ich Deine Sinfonie mit wahrer Wollust genossen habe, namentl. I u III Satz die recht gut gegangen sind. Scherzo hat Verhulst überhetzt, Finale verschleppt – er ist überhaupt ein schlechter Dirigent, so ein Mittelding zwischen Takthacker u. Breirührer – ohne Rhythmus. Dem Publikum hat das Werk entschieden gefallen. In einem der nächsten Conzerte macht V. Deine Waldsinfonie, die er im Haag bereits zur Aufführung gebracht hat. Bronsart-Conzert ging nicht übel und gefiel – das Conzert (über 1200 andächtige Zuhörer) hatte im Ganzen einen sehr glücklichen Verlauf. Meine Wenigkeit hat hier, wie in Brüssel und Antwerpen noch nicht erlebten Succeß gefunden. Einnahmen leider nicht sehr brillant da stets fixe Honorare. Sei nicht böse über das lakonisch abrupte dieses Grußes. Ultra posse u. s. w. Morgen mit dem Frühesten nach Deutschland zurück. Regensburg 21sten München Triosoiréen 22 u. 24 dann nach Norden hinauf. Empfiehl mich Deiner verehrten Frau. Vieles Scheene an Zimmerhelene! Mit herzlichsten Grüßen und innigsten Wünschen für ungetrübte schaffensfrohe Thätigkeit Dein ganz ergebener HvBülow. Nb: Vieuxtemps der zwar noch der Routine bedürftig ist, jedoch entschiedene Anlage zeigt, sich selbige im Dirigententhume bald zu acquiriren, wird \ebenfalls/ nächstens die Gmoll sinfonie in den Conc. pop. loslassen. Wunderbar schöne, klare und doch gesättigte Orchestration! Bravo, bravo Maestro, Maestrone! Wenn ich sie doch bald einmal wo dirigiren könnte! Adieu es ist 2 Uhr 50 Morgens! [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (18. 1. 1873); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 11. 3 2026.