Baden, 12 Juli 73 ä16 Schloßstr Verehrter Freund, 4ter August paßt mir insofern weit
besser, als 25 Juli, als \da/ ich nun mich gar nicht abzuhetzen brauche und Dein
Conzert mit Muße studieren kann. Für hier ist es nun auch praktischer eingerichtet,
als \indem/ das Conzert am 21 statthaben wird und mir nicht mehr gleichzeitig die
verschiedenartigste Musik durch den Kopf zu schwirren braucht.å Trotz der großen
Hitze arbeite ich mit Eifer, weil mit Vergnügen, in Deinem C moll, dessen erste
beiden Theile mir ausnehmend gut gefallen, weniger das Finale; doch mit dem Orchester
zusammen wird man da schon ins Feuer kommen. Jedenfalls bin ich bei der Müllerschen
Vorprobe (erst am 29sten?) gegenwärtig u. mitthätig. Eine Probe genügt nicht zum
Ensemble, so will mir scheinen. Nicht wahr im Andante gehts gleich zusammen: u. dsgl.
im 2ten Theile? Der Flügel ist doch gut, hell? Die Anfrage wegen dem Spielen
betreffend, so vermuthete ich, daß ich fürs Orch-Benef. Conz. „Attraction“ ausüben
sollte, welche Attraction fürs große Publikum doch in meiner Klimperei besteht. Ich
spiele \also/ sehr gern das Henseltsche Conzert, wenn ich nicht, wie gesagt, das
Deinige repetiren dürfte (4 Aug.) Im Übrigen erwarte ich Müllers Programmvorschläge.
Es muß doch wohl Neues gebracht werden? Ich weiß nun nicht, was für W. neu ist. äDu
bist doch hoffentlich nicht zu operos in dieser senegallischen Hitze, und die
Erholungsreise ist Euch doch gut bekommen? Helenchen wohl? Herzlichste Grüße. In Eile
Dein treuergebener Bülow. ◊1Wenn erste Probe am 29, reise ich 28sten Abends ab
(Tagfahrten bekommen mir schlecht) und treffe 7 Uhr früh ein.å Hältst Du’s äjedochå
für nothwendig, daß ich am 28sten Deine Wünsche mit der Partitur in der Hand
entgegennehme – auch gut – so reise ich 27sten Abends. Da ich jedoch hier besser üben
kann, da guten Bechstein im Zimmer, was in W. nicht zu ermöglichen wäre, so scheints
mir zweckmäßig, so lange als möglich hier zu bleiben, um so mehr als ich zwischen 29
Juli u. 4 Aug. doch Zeit genug habe, Dich zu sehen. (Nb: die Russen sehe ich dießmal
nicht). [copyright Simon Kannenberg]