Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Baden
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 12. Juli 1873 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 116
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter Freund,
4ter August paßt mir insofern weit besser,
Veröffentlichung: Bülow, Briefe 5, S. 92f.; Kannenberg 2020.

Neues Datum passe sogar besser, da er sich das Konzert op. 185 in Ruhe anschauen könne. Präferiert die ersten beiden Sätze. Sei bei der Müllerschen Vorprobe dabei. Spiele das Henseltsche Konzert. Fragt, ob Helenchen wohl sei. Sehe die Russen diesmal nicht.

Baden, 12 Juli 73 ä16 Schloßstr Verehrter Freund, 4ter August paßt mir insofern weit besser, als 25 Juli, als \da/ ich nun mich gar nicht abzuhetzen brauche und Dein Conzert mit Muße studieren kann. Für hier ist es nun auch praktischer eingerichtet, als \indem/ das Conzert am 21 statthaben wird und mir nicht mehr gleichzeitig die verschiedenartigste Musik durch den Kopf zu schwirren braucht.å Trotz der großen Hitze arbeite ich mit Eifer, weil mit Vergnügen, in Deinem C moll, dessen erste beiden Theile mir ausnehmend gut gefallen, weniger das Finale; doch mit dem Orchester zusammen wird man da schon ins Feuer kommen. Jedenfalls bin ich bei der Müllerschen Vorprobe (erst am 29sten?) gegenwärtig u. mitthätig. Eine Probe genügt nicht zum Ensemble, so will mir scheinen. Nicht wahr im Andante gehts gleich zusammen: u. dsgl. im 2ten Theile? Der Flügel ist doch gut, hell? Die Anfrage wegen dem Spielen betreffend, so vermuthete ich, daß ich fürs Orch-Benef. Conz. „Attraction“ ausüben sollte, welche Attraction fürs große Publikum doch in meiner Klimperei besteht. Ich spiele \also/ sehr gern das Henseltsche Conzert, wenn ich nicht, wie gesagt, das Deinige repetiren dürfte (4 Aug.) Im Übrigen erwarte ich Müllers Programmvorschläge. Es muß doch wohl Neues gebracht werden? Ich weiß nun nicht, was für W. neu ist. äDu bist doch hoffentlich nicht zu operos in dieser senegallischen Hitze, und die Erholungsreise ist Euch doch gut bekommen? Helenchen wohl? Herzlichste Grüße. In Eile Dein treuergebener Bülow. ◊1Wenn erste Probe am 29, reise ich 28sten Abends ab (Tagfahrten bekommen mir schlecht) und treffe 7 Uhr früh ein.å Hältst Du’s äjedochå für nothwendig, daß ich am 28sten Deine Wünsche mit der Partitur in der Hand entgegennehme – auch gut – so reise ich 27sten Abends. Da ich jedoch hier besser üben kann, da guten Bechstein im Zimmer, was in W. nicht zu ermöglichen wäre, so scheints mir zweckmäßig, so lange als möglich hier zu bleiben, um so mehr als ich zwischen 29 Juli u. 4 Aug. doch Zeit genug habe, Dich zu sehen. (Nb: die Russen sehe ich dießmal nicht). [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (12. 7. 1873); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 16. 4 2026.