Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Wiesbaden
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 8. Juli 1873 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 115
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Bewundernswürdigster,
zunächst dankendste Empfangsbescheinigung Deines Conzerts.
Veröffentlichung: Bülow, Briefe 5, S. 92; Kannenberg 2020.

Bescheinigt den Empfang des Konzertes op. 185. Habe den ersten Satz gelesen, der ihm sehr, sehr, sehr gefalle. Drängt auf Erscheinung. Möchte das Werk am 14. November in London mit Dannreuther geben. Bittet um Tempi für Hauptthemen. Werde nicht nur weil der E. den Müller der Orchestermühle ernannt hat, sondern auch aus Spass das Benefizkonzert des Kurorchesters dirigieren, gerne auch "Sängers Fluch" und "Cäsarmarsch". Fragt, ob er am 25. auch schon spielen soll (Vorschläge: op. 185, Konzerte von Henselt oder Beethoven). Fichtner solle ruhig sein, bzw. das Kurcomité. Spiele Webers Polonaise op. 73 bearbeitet von Liszt oder Bacchiana. Fragt, ob nichts von Berlioz gemacht werden könnte.

Baden, 8/VII 73 ä16 Schloßstr.å Bewundernswürdigster, zunächst dankendste Empfangsbescheinigung Deines Conzerts. Habe erst Satz I durchgelesen – gefällt mir sehr, sehr, sehr. Dabei höchst commod zu spielen. Aber Zeit gehört dazu – ich fürchte 14 Tage ist etwas knapp, da ich allerlei Nebendinge hier zu treiben habe. Möge es nur bald erscheinen – denn ich will’s im ersten Conzert von Dannreuther 14 Nov. (London) vorreiten. Nb: Sei so gut, nimm ein M. M. zur Hand und schreibe mir möglichst bald wie Du Dir die Tempi der Hauptmotive gedacht. Es ist für mich nöthig, mich sofort in die richtige Bewegung beim Studium zu setzen, weil, wie gesagt, die Zeit zu kurz ist und ich eine Masse andrer Musik im Kopfe habe. äDoch ich bin Dir umgehende Antwort schuldig auf die beiden von Dir übernommenen Aufträge. I. Nicht blos weil ichs Dir schuldig bin, der den Müller der Orchestermühle ernannt hat, sondern auch, weil mirs Spaß macht, bin ich sehr bereit, das Benefizconzert des Kurorch. in W. am 25 d. zu dirigiren – wenn die nöth. Vorproben ohne mich abgehalten werden können – überhaupt wenn ich sonst keine Scheererei habe, wegen Notenbeschaffung u. s. w. – denn ich vermag erst am 24 früh 7 Uhr in W. einzutreffen. Das hies. Conzert nämlich, was ich hier allein mit dem Orch. gebe wird wohl \erst/ am 23. Abends stattfinden können da an diesem Tage gerade d. Grhrzg disponibel ist, indem er von Insel Mainau in Carlsruhe zu den Audienzen etc. eintrifft. Möglich, daß es schon am 21 od. 22 statthaben kann – natürlich dann um so besser. Sängers Fluch u. Cäsarmarsch – danke schön – sehr gern. Vor letzterem könnte man wohl das Funerale Op. 23 N. IV (Seitz) hinzunehmen als a u. b. Nb: soll ich am 25. auch spielen. Dann gleich Dein Conzert, das ich Dann am 30 wiederhole oder sonst Henselt, oder meinetwegen Beeth. Es dur, wenn Du gegen d. ersten Vorschlag was einzuwenden hättest. Wegen des übrigen Programms gebe ich carte blanche nur möchte ich vorher wissen was los sein soll. ◊1Weiter. 2) (Die gute Fichtner soll nur ruhig sein oder vielmehr das Kurcomité.)◊2 Ich werde als zweite Nummer spielen (am 30sten) Weber’s gr. Polonaise Op. 73 für Piano u. Orch. bearbeitet v. Liszt. (Wenn man nicht vorzöge daß ich Bacchiana Solo spiele näml. a) Chrom. Fant. u. Fuge b) Sarabande und Passepied c) Bourée. [)] Violà. Ouf. Es ist entsetzlich heiß und ein reinigendes Gewitter kaum zu erwarten. Könnte nichts von Berlioz (Celliniouv., röm. Karneval ) gemacht werden? Näml. am 25sten. Die Vormittage 24 u. 25 sind doch zum Probiren (je 2½ Stunde◊3) frei? Freundschaftlichste Grüße. In Eile Dein treuergebner Bülow.å [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (8. 7. 1873); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 22. 4 2026.