Berlin, 11 April 1870 Verehrter freund, schönen Dank für die freundliche Kunde vom
Siege der Dame Kobold und besten Glückwunsch dazu. Vivat sequens! In zwei bis drei
Tagen reise nach Mailand zurück – meine persönl. Affairen sind in ein – ganz normales
– Stadium getreten, in welchem meine Anwesenheit auf 6–8 Wochen hier unnütz ist.
Anfang Juni muß ich freilich hierher auf einen Monat zurückkehren – doch paßt mir
dies besser so, trotz des Opfers an Reisestrapatzen und Kosten. Ich habe jenseits der
Alpen warmes Eisen zu schmieden. Übrigens habe ich auch entsetzliches Heimweh und
deutsches Land u. deutsche Leute berühren mich so widerwärtig, daß ich den Speikrampf
bekomme, falls ich mich nicht schleunigst entferne. Abbé Liszt kam nach Florenz als
ich bereits abgereist war. Ich halte eine Begegnung vor definitiver Erledigung meiner
– Privatsache – für ebenso zwecklos als – unpassend. Ich schreibe nur sehr ungern in
deutscher Sprache – nimm mir also den Lakonismus nicht übel. Laß Dir den beifolg.
Artikel der Perseveranza von Mailand 4 April (heute vor 8 Tagen) – es ist das
mächtigste italiänische Blatt überhaupt – das Journal des Débats von Italien –
übersetzen und dementire mir die kleinen Irrungen betreffs Deines Wagnerianismus
nicht. Also auf Wiedersehn – wahrscheinlich im Juni. Schönste Grüße Dein
treuergebener Giovanni de Bülow. [copyright Simon Kannenberg]