18. 1. 1869
Brief an Joachim Raff
ID: A00498
| Absender: | Hans von Bülow (C00114)
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| Erstellungsort: | München |
| Empfänger: | Joachim Raff (C00695)
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| Datierung: | 18. Januar 1869 (Quelle) |
| Standort: | Bayerische Staatsbibliothek (München) |
| Signatur: | Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 96 |
| Umfang: | 2 Seiten |
| Material: | Papier |
| Incipit: | Verehrter freund, Zu Briefschreiben keine Zeit – bin aber gewohnt für Briefe von Dir umgehend zu danken |
| Veröffentlichung: | Bülow, Briefe 4, 117, S. 269f.; Kannenberg 2020. |
Beglückwünscht den E. zu seiner Reise. Spiele am 6. Februar in Hannover. Habe nur durch den E. etwas von Seifriz gehört. Könne sich nicht an der charitablen Absicht beteiligen. Jahn werde, so lange der A. hier etwas zu sagen habe - nicht einmal als Zeitungsente spuken. Richter werde Theaterkapellmeister, wenn der A. avanciere. Stehe gut mit David. Lehne Mitspielerei im Orchester-Pensionskonzert jedes Jahr ab. Pohl - Mainz - drollig. Stecke niemals seinen Vorwitz zwischen Schott und Wagner. Sigismund Blumner spiele nicht ganz schlecht und habe Technik genug, das Quintett op. 107 zu bewältigen. "Proste Mahlzeit" zu Dresdner "Meistersinger"-Aufführung. Wurde vom Schwiegervater am 10. Januar hier überrascht. Dieser reiste dann direkt nach Weimar und besuche vielleicht einmal Bronsart. Er komme vor Ostern wieder hierher, danach nach Wien, um die "Heilige Elisabeth" dort zu hören und gehe dann zurück nach Rom. Grüsst Doris und Helena. Habe Liszt das "De Profundis" op. 141 mit auf den Weg gegeben. "Dedication erfreute". Dieser habe die zweite Symphonie op. 140 hier durchgespielt und rühmte Faktur ausserordentlich, der melodische Inhalt sei ihm weniger sympathisch gewesen. Cornelius und Bärmann seien dabei gewesen. Meisteraufführungen von "Iphigenie" (Gluck-Wagner) und "Sommernachtstraum" (Mendelssohn).
Verehrter freund, äZu Briefschreiben keine Zeit – bin aber gewohnt für Briefe von Dir umgehend zu danken – will alte gute Sitte bewahren. Nimm vorlieb. Vor Allem herzlichen Glückwunsch zu Deiner Reise – werde leider kaum Zeit finden, Dich bei Rückreise nach M. zu besuchen. Ich spiele am 6 febr. in Hannover, reise am 8ten schnell wieder zurück. å Von Seifriz nur durch Dich etwas gehört. Bin unvermögend, mich an Deiner charitablen Absicht zu betheiligen. Jahn – lächerlich – so lang ich hier was zu sagen habe – und das dürfte bald exclusiv maßgebend werden – wird er hier nicht einmal als Zeitungsente spuken. Avancire ich (was nur nominell nicht materiell geschehen könnte) so wird Hans II (Richter) erster Theatercapellmeister. — Mit David stehe ich fortwährend sehr gut. Er schreibt mir: Hochverehrter freund, – ich suche mir sein Wohlwollen zu bewahren, indem ich regelmäßig jedes Jahr die Einladung zur Mitspielerei im Orchester-pensionsconzerte (n. b. Honorartaxe wird mir jetzt anheimgestellt) – ablehne. äPohl – Mainz – drollig! å Zwischen Schott und Wagner stecke ich niemals meinen Vorwitz sondern höchstens meinen Treppenwitz. äSigmund Blumner spielt zuweilen nicht ganz schlecht und hat Technik genug, Dein Quintett zu bemeistern.å Dresdner M. S.-Aufführung (Aufvierung) – proste Mahlzeit! äMein Schwiegervater – recht leidlicher Gesundheit und Laune – überraschte mich hier am 10 Jan. früh – reiste am 12. direkt nach Weimar, wo er bleibt (vielleicht besucht er einmal Bronsart ) – kommt vor Ostern auf einige Tage wieder hierher geht dann zu Ostern auf 8 Tage nach Wien, um der Auff. der hl. Elisabeth beizuwohnen und dann ungesäumt zu Pabstens retour. Voilà authentische Kunde. Herzliche Grüsse an die Damen Doris und Helena◊1/ – auch von meiner etwas migränegeplagten Mama. Nochmals beste Wünsche von Deinem treuergebnen Bewunderer München, 18/I 69 Hans.å Liszt habe ich Dein „De profundis“ auf die Reise mitgegeben. Dedication erfreute. Zweite Sinfonie hat er hier durchgespielt – Cornelius und Bärmann waren dabei – er rühmte Factur ausserordentlich – melodischer Inhalt war ihm aber nicht sympathisch. C dur-Suite gefiel ihm besser. Neulich Musterauff. v. Iphigenie (Gluck-Wagner) gestern ditto von Sommernachtstraum; die Mendelssohnsche Musik ist doch das lobes- und liebenswürdigste was dieser Meister gemacht. [copyright Simon Kannenberg]

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