Verehrter freund, äder pp. Steingräber aus Elbing beglückte mich unlängst bereits mit
seinem Unternehmen nebst Anerbietungen u. s. w. Habe ihm den Schmarren retour gesandt
und mir drgl. künftig verbeten. Bei Zeus, ich bin so vollauf occupirt mit wichtigen
Dingen, daß ich zu dergleichen Speculationen auf meinen berühmten Namen mich
herzugeben keine Muße übrig habe – selbst wenn ich Luft dazu hätte. Solche
provinciale Geschichten halte ich ein für alle Mal für „oberfaul“. Laß Dich doch auch
nicht damit ein. Was das Klavierspiel braucht – nämlich instructives, pädagogisches,
soweit daran noch Mangel wäre, werde ich mir mit der Zeit gestatten nach meiner Weise
mit eignen Mitteln zu ergänzen. [......] Besten Dank für Mahnung an Schott. Die Leute
nehmen sich schrecklich viel Zeit. Habe immer noch nicht die fehlenden Partiturseiten
von Meistersinger. å Himmel was ich jetzt Geld machen kann für Andere. Die zwei Hans
Sachs-Conzerte in Nürnberg haben 1500 Gulden zusammen eingetragen (netto) – Conzert
in Augsburg für Kinderbewahranstalt 705 fl. Hätte eigentlich große Lust für Kinder
Conzertzureisen. Nun – wer weiss – beim geringsten Aerger hier bin ich capabel, mich
von München zu empfehlen. Es munkelt so was von grosser Oper in Paris. Dies entre
nous. äAm 30 Jan. spiele in Brüssel für die Association de musiciens belges 4 u. 5
Conzert von Beethoven. Rußischer Patriotismus – ja – es ist was Schönes um den
braunen Sterlet-Caviar in Moskau, den Du noch nicht hast probiren können. å Deine
Suite hat großen nachwirkenden Erfolg gehabt. Am Freitag gebe ich ein Judenconzert:
Ouv. Struensee Meyersohn Violoncellconz. Rubinstein 3te Sinfonie Mendelbeer. (Dazu
als Intermezzo mein Sängersfluch u. Vokales) Glück auf – Deinem Pegasus! äMama läßt
schönstens wieder grüßen. Frohes Fest! Dein treuergebener München, 22 Dez. 1868
Bülow.å [copyright Simon Kannenberg]