Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: München
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 5. Mai 1868 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 83
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund!
Schönsten Dank für Dein liebes Lebenszeichen und – Verzeihung für die flüchtige Erwiderung
Veröffentlichung: Bülow, Briefe 4, 90, S. 231–233; Kannnenberg 2020.

"Meistersinger" sei verschoben worden. Vogl genüge nicht für den Walther. Hans Richter wurde nach Darmstadt zu Nachbaur geschickt, der den Mohren zumindest einseift. Arbeite rasend: "Abu Hassan" von Weber, "Hugenotten", gestern Konzert für den König (Liszt und Beethoven). Mittwoch "Trovatore" mit Gästen: Walter aus Wien und Stägemann, "Tell", "Heilige Elisabeth", Mozart-Matinee. Gibt Besetzung von "Meistersinger" an: Betz (Sachs), Nachbaur (Walther), Hölzel (Beckmesser), Schlosser (David), Dietz (Magdalene) und Mallinger (Eva). Wurde von den vier Reminiscenzen WoO 26 erschreckt, entsetzlich viele Fehler und sehr schwer. Sage dies nicht dem E., sondern Krypto-Cramer. Die Widmung des "De Profundis" op. 140 werde dem Dedicaten sicher Freude machen. Der E. könne es direkt an Liszt schicken oder es über den A. überreichen lassen. Fragt, wie es Frau und Kind gehe. Mutter, Frau und Töchter zufriedenstellend. Wagner sei wieder zurück nach Tribschen gereist. Weissheimer und Draeseke privatisierend hier. Bronsart komme zur "Meistersinger"-Generalprobe. Montjoie sei hier gewesen und habe nicht von Rom geschwiegen.

Verehrter freund! äSchönsten Dank für Dein liebes Lebenszeichen und – Verzeihung für die flüchtige Erwiderung.å 1te Auff. v. Meistersinger 14 Juni – die Tenorfrage erheischte Vertagung. Vogl genügt nicht für den Walther. Da Nachbaur erst vom 1 Juni hiesiges Engagement antritt so haben wir unsren trefflichen jungen Correpetitor Richter nach Darmstadt expedirt wo er den Mohren seit 14 Tagen wenn nicht weiss wäscht doch einseift. Wann ich von hier loskommen kann, hängt noch vom Beginn und der Dauer der bisher nicht üblichen Theaterferien ab. Ferien der Musikschule (die recht ordentlich geht – nämlich künstlerisch) vom 8 Aug. – 1 October[.]◊1 Ich arbeite rasend. Sonnabend – furchtbare Hugenottenprobe – Abends Abu Haßan v. Weber Sonntag – Hugenotten die mir viel Spaß gemacht Montag – (gestern) von 3–6 Musikschule von 7–9½ großes Conzert für S. M. den König als Solozuhörer 1. Taßo v. Liszt. 2. a. Ungar. Rhapsodie mit Orchester b. Rakoczymarsch (solo-Klavier) 3. Mazeppa v. Liszt. 4. Sinfonie pastorale v. Beethoven (ging wunderschön.) Mittwoch Trovatore mit Gästen (Walter aus Wien u. Stägemann ) Freitag Tell mit ditto. Sonntag hl. Elisabeth v. Liszt. (Vorm. letzte Mozart-matinée) äDazu die erforderlichen Klavier- u. Orchesterproben und wöchentlich 14 Stunden Musikschule. Hm? Besetzung der MS. v. N. Sachs – Betz (Berlin) Beckmeßer – Hölzel (wundervoll!) David – Schlosser (vortrefflich.) Walter – Nachbauer. Eva – Mallinger Magdalene – Diez. Alles Übrige mit den besten einheimischen Kräften. Es wird sich verlohnen, zuzuhören.å Deine 4 Reminiscenzen haben mich erschreckt. Entsetzlich viel sinnstörende Druckfehler und sehr schwer z. E. Straßenskandal für Amateurs (?) unausführbar. Das sage ich nicht meinem verehrten Meister Raff, sondern Krypto-Cramer dem „billigen“ was mich – nebenbei – wurmt. O Du Bürgermeister! äDie Widmung des „De profundis“ wird dem Dedicaten sicher Freude machen. Wie Du willst – sende direkt „Monsieur le Commandeur Abbé F. Liszt Rome San Francesca Romana“ – oder durch mich. Wann mein Schwiegervater im Laufe des Sommers nach Deutschland kommt, ist zur Zeit noch unbestimmt.å Wie geht’s Deiner verehrten Frau und der kleinen Helene, die hoffentlich schön wird? Bei uns Alles zufriedenstellend – Mutter, Frau u. Töchter. – RW. wieder nach Triebschen zurück, kommt erst den 20 d. hierher wenn die Proben ernsthaft werden. Ich – neulich infolge Ärgers von einem Gallenfieber befallen, das schlimm hätte verlaufen können. Habe aber gute Constitution – nach 3 Tagen Bett u. 3 Tagen Zimmer-Hut – aufgerappelt. Mehrere pädagogische Arbeiten, die nothwendig, bin ich so frei Dir „en maße“ später zu gütigem Einblick zuzusenden. Lebe wohl, theurer Freund. äImmer Dein sehr getreuer München, 5 Mai 68. Bülow. Daß Dein Name in der Musikschule florirt und wir uns viel mit Dir beschäftigen, bedarf keiner ausdrückl. Mention. Weissheimer jetzt hier privatisirend, ditto Dräseke. Zu MS. Generalprobe kommt u. A. auch Bronsart. Montjoie war neulich hier, und schweig mir nicht von Rom – au contrôleur. Lohmanns Lehmann. Ich glaube er wollte hier durch mich angestellt werden – bonsoir, Mr. Pantalon resp. Sansculotte. å [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (5. 5. 1868); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 11. 3 2026.