Verehrter freund! äSchönsten Dank für Dein liebes Lebenszeichen und – Verzeihung für
die flüchtige Erwiderung.å 1te Auff. v. Meistersinger 14 Juni – die Tenorfrage
erheischte Vertagung. Vogl genügt nicht für den Walther. Da Nachbaur erst vom 1 Juni
hiesiges Engagement antritt so haben wir unsren trefflichen jungen Correpetitor
Richter nach Darmstadt expedirt wo er den Mohren seit 14 Tagen wenn nicht weiss
wäscht doch einseift. Wann ich von hier loskommen kann, hängt noch vom Beginn und der
Dauer der bisher nicht üblichen Theaterferien ab. Ferien der Musikschule (die recht
ordentlich geht – nämlich künstlerisch) vom 8 Aug. – 1 October[.]◊1 Ich arbeite
rasend. Sonnabend – furchtbare Hugenottenprobe – Abends Abu Haßan v. Weber Sonntag –
Hugenotten die mir viel Spaß gemacht Montag – (gestern) von 3–6 Musikschule von 7–9½
großes Conzert für S. M. den König als Solozuhörer 1. Taßo v. Liszt. 2. a. Ungar.
Rhapsodie mit Orchester b. Rakoczymarsch (solo-Klavier) 3. Mazeppa v. Liszt. 4.
Sinfonie pastorale v. Beethoven (ging wunderschön.) Mittwoch Trovatore mit Gästen
(Walter aus Wien u. Stägemann ) Freitag Tell mit ditto. Sonntag hl. Elisabeth v.
Liszt. (Vorm. letzte Mozart-matinée) äDazu die erforderlichen Klavier- u.
Orchesterproben und wöchentlich 14 Stunden Musikschule. Hm? Besetzung der MS. v. N.
Sachs – Betz (Berlin) Beckmeßer – Hölzel (wundervoll!) David – Schlosser
(vortrefflich.) Walter – Nachbauer. Eva – Mallinger Magdalene – Diez. Alles Übrige
mit den besten einheimischen Kräften. Es wird sich verlohnen, zuzuhören.å Deine 4
Reminiscenzen haben mich erschreckt. Entsetzlich viel sinnstörende Druckfehler und
sehr schwer z. E. Straßenskandal für Amateurs (?) unausführbar. Das sage ich nicht
meinem verehrten Meister Raff, sondern Krypto-Cramer dem „billigen“ was mich –
nebenbei – wurmt. O Du Bürgermeister! äDie Widmung des „De profundis“ wird dem
Dedicaten sicher Freude machen. Wie Du willst – sende direkt „Monsieur le Commandeur
Abbé F. Liszt Rome San Francesca Romana“ – oder durch mich. Wann mein Schwiegervater
im Laufe des Sommers nach Deutschland kommt, ist zur Zeit noch unbestimmt.å Wie
geht’s Deiner verehrten Frau und der kleinen Helene, die hoffentlich schön wird? Bei
uns Alles zufriedenstellend – Mutter, Frau u. Töchter. – RW. wieder nach Triebschen
zurück, kommt erst den 20 d. hierher wenn die Proben ernsthaft werden. Ich – neulich
infolge Ärgers von einem Gallenfieber befallen, das schlimm hätte verlaufen können.
Habe aber gute Constitution – nach 3 Tagen Bett u. 3 Tagen Zimmer-Hut – aufgerappelt.
Mehrere pädagogische Arbeiten, die nothwendig, bin ich so frei Dir „en maße“ später
zu gütigem Einblick zuzusenden. Lebe wohl, theurer Freund. äImmer Dein sehr getreuer
München, 5 Mai 68. Bülow. Daß Dein Name in der Musikschule florirt und wir uns viel
mit Dir beschäftigen, bedarf keiner ausdrückl. Mention. Weissheimer jetzt hier
privatisirend, ditto Dräseke. Zu MS. Generalprobe kommt u. A. auch Bronsart. Montjoie
war neulich hier, und schweig mir nicht von Rom – au contrôleur. Lohmanns Lehmann.
Ich glaube er wollte hier durch mich angestellt werden – bonsoir, Mr. Pantalon resp.
Sansculotte. å [copyright Simon Kannenberg]