Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 21. Juni 1864 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 58
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund,
herzlichen Dank daß Du meiner gedenkst in Deiner colossalen Arbeitsthätigkeit.
Veröffentlichung: Bülow 1895 III S. 595ff.; Kannenberg 2020.

Berichtet von seiner Mitdirektion bei der Karlsruher Tonkünstlerversammlung, die sein Schwiegervater zur Bedingung seines Erscheinens gemacht habe. Werde von Wagner nach Starnberg reklamiert. Wolle am 24. zum E. nach Wiesbaden kommen. Konzertmeister Barth habe ihn für ein Administrationskonzert am 5. August verpflichtet. Dankt dem E. für die Vermittlung. Habe eine Scarlatti-Anthologie gemacht, an der der E. wohl mehr Freude habe als an seiner Em. Bach-Bearbeitung. Hofft, von Berlin wegzukommen. Vielleicht finde sich etwas in München. Frau und Kinder [Daniela und Blandine] seien wohl. Hofft, dass Ilmenau bei der Gemahlin gut angeschlagen habe.

Verehrter freund, herzlichen Dank daß Du meiner gedenkst in Deiner colossalen Arbeitsthätigkeit. War die ganze Zeit sehr geplagt mit gewohntem Frohndienst und aussergewöhnlichen – natürlich sterilen Scheerereien. Du kannst Dir’s denken: die Carlsruher Tonkünstlerversammlung, deren musikal. Mitdirektion ich angenommen, weil mein Schwiegervater an diese Bedingung sein Erscheinen geknüpft. Jetzt bin ich mit einem Fuße schon im Coupé – Wagner (entre nous) reclamirt mich auf’s Stürmischeste nach Starnberg bei München. Gegen den 12 Juli bin ich wieder hier, wo ich mancherlei zu arrangiren habe. Gegen den 24sten denke ich nach Wiesbaden versprochener Maaßen abzureisen. Daß mir Conzertmstr. Barth den 5 August noch reservirt hat für ein Administrationsconzert, dafür danke ich ihm und Dir bestens. Willkommene Erleichterung in der Saison, wo ich nur ausgebe, nichts einnehme. Ich acceptire und bitte Dich hierdurch freundlichst, es mit nicht übel zu nehmen, daß ich Dich mit dieser Mittheilung an Barth behellige. Ich bin so herunter, daß mir das Briefschreiben – schwer fällt. Faul bin ich übrigens nicht gewesen. Habe eine Scarlatti-Anthologie (18 Stücke in Suitenform) druckfertig gemacht von der ich glaube, daß Du ihr mehr Zustimmung ertheilen wirst als meiner Em. Bach-Bearbeitung. Wenn ich nur mehr Muße, mehr Ruhe gewinnen könnte! Die Lectionen reiben mich auf – im Verein mit den Conzerten. Ich gehe immer mit dem Plane um, Berlin zu verlaßen. Vielleicht – findet sich in München etwas – so wenig plausibel es ist. Ich werde nichts von der Hand weisen, was mir eine nicht zu anstrengende Weiterexistenz einigermaßen garantirt. äFrau und Kinder Gott sei Dank wohl. Ich hoffe daß Ilmenau Deiner Frau Gemahlin gut angeschlagen. Vermuthlich ist Dein Strohwittwerthum zu Ende. Nach der Rückkehr hierher – Mitte Juli schreibe ich wieder. Ende Juli komme ich also selbst und für den 5 August bin ich sehr disponibel.å Ich hatte keine Ahnung, daß eine Zeitbestimmung von mir erwartet würde, da bei solchem „Geruder und Gedränge“ gewöhnlich doch der Einzelne commandirt zu werden pflegt. äEinstweilen Wiederholung herzlichen Dankes und tausend Grüsse Deines treuergebenen Berlin, 21 Juni 1864. Hans vBülow. 5. Enkeplatz.å [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (21. 6. 1864); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 22. 4 2026.