Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 2. September 1862 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 43
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund,
dass wir so „sans adieu“ von Euch geschieden sind,
Veröffentlichung: Bülow 1895 III, S. 493; Kannenberg 2020.

Entschuldigt sich für die überstürzte Abreise aus Biebrich. Wollte den September in Berlin beginnen. Bittet den E. eine Unterlassungssünde bei Dr. Genth zu begehen. Die Partie nach Walluf sei der letzte freundliche Eindruck aus Biebrich gewesen. Ärgert sich über die "schandbare Execution" der Liszt'schen Sinfonie unter Ignaz Lachner in Frankfurt. Wünscht, dass der E. seine "Samson"-Bearbeitung bald zu einem glücklichen Ende führe. Empfehlungen von seiner Frau an den E. und Gemahlin.

Berlin, 2 September 1862 Verehrter freund, dass wir so „sans adieu“ von Euch geschieden sind, wirst Du wohl verzeihen, wenn Du, wie ich vermuthen darf, die Hastigkeit unsrer Abreise erklärlich findest. äUnsere Rückkehr von Frankfurt hatte sich überdiess bedeutend verspätet, so dass uns am Sonnabend gerade so viel Zeit übrig war, die Koffer zu packen: aus verschiedenen Gründen wollte ich den September in Berlin beginnen, und ich bin schliesslich sehr froh, es durchgesetzt zu haben. Die Unmöglichkeit, noch ein Mal in Wiesbaden vorzusprechen, hat mich nun noch eine andere Unterlassungssünde begehen lassen, die ich Dich freundlich bitte, – durch gütige Convertirung inliegenden Fünfthalerscheins mit meiner Karte für Herrn Dr. Genth – repariren zu wollen.å Unsere gemeinschaftliche Partie nach Walluf – ich hoffe sehr, daß Du wieder im glücklichen Besitze Deines Paletot’s – war eigentlich der letzte freundliche Eindruck, den wir von Biebrich mitgenommen. Die vortreffliche Aufführung des Götheschen Tasso in Frankfurt wurde uns durch die schandbare Execution der Lisztschen Sinfonie unter Hrn Ignatz Lachner stark verbittert. Das Publikum nahm dieselbe mit überraschend massvollem Gezische auf; allerdings applaudirte kaum Einer. äMit dem Wunsche, daß Du in ungestörter Gesundheit Deine Samson-Bearbeitung recht bald zu glücklichem Ende führst, mit herzlichen Empfehlungen meiner Frau an Dich und Deine Gemahlin und vielem Danke für die mannichfachen Freundlichkeiten, die Ihr uns erwiesen Dein treuergebener Hans vBülow.å [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (2. 9. 1862); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 22. 4 2026.