Berlin, 2 September 1862 Verehrter freund, dass wir so „sans adieu“ von Euch
geschieden sind, wirst Du wohl verzeihen, wenn Du, wie ich vermuthen darf, die
Hastigkeit unsrer Abreise erklärlich findest. äUnsere Rückkehr von Frankfurt hatte
sich überdiess bedeutend verspätet, so dass uns am Sonnabend gerade so viel Zeit
übrig war, die Koffer zu packen: aus verschiedenen Gründen wollte ich den September
in Berlin beginnen, und ich bin schliesslich sehr froh, es durchgesetzt zu haben. Die
Unmöglichkeit, noch ein Mal in Wiesbaden vorzusprechen, hat mich nun noch eine andere
Unterlassungssünde begehen lassen, die ich Dich freundlich bitte, – durch gütige
Convertirung inliegenden Fünfthalerscheins mit meiner Karte für Herrn Dr. Genth –
repariren zu wollen.å Unsere gemeinschaftliche Partie nach Walluf – ich hoffe sehr,
daß Du wieder im glücklichen Besitze Deines Paletot’s – war eigentlich der letzte
freundliche Eindruck, den wir von Biebrich mitgenommen. Die vortreffliche Aufführung
des Götheschen Tasso in Frankfurt wurde uns durch die schandbare Execution der
Lisztschen Sinfonie unter Hrn Ignatz Lachner stark verbittert. Das Publikum nahm
dieselbe mit überraschend massvollem Gezische auf; allerdings applaudirte kaum Einer.
äMit dem Wunsche, daß Du in ungestörter Gesundheit Deine Samson-Bearbeitung recht
bald zu glücklichem Ende führst, mit herzlichen Empfehlungen meiner Frau an Dich und
Deine Gemahlin und vielem Danke für die mannichfachen Freundlichkeiten, die Ihr uns
erwiesen Dein treuergebener Hans vBülow.å [copyright Simon Kannenberg]