Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 20. Dezember 1860 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 29
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund,
kann heute nur zwei Zeilen schreiben, für Deinen letzten Brief und die darin enthaltenen Mittheilungen
Veröffentlichung: Bülow 1895 III, S. 376f.; Marty 2014, S. 219; Kannenberg 2020.

Könne erst nach Empfang "Weimarischer Instructionen" [Liszt] betreffs Schott schreiben. Schickt kritische Schnitzel. Der Vortrag der Suite op. 72 sei sehr glücklich von den Fingern gegangen. Der Publikumserfolg sei gross gewesen. Lebhafte Nachfrage in den Musikalienhandlungen (zur Überraschung von F. A. Kühn). Hatte vor der "Romanze" "Manschetten". Sie habe aber nicht minder gefallen. Empfehlungen an die Gemahlin. Abreise nach Paris stehe noch nicht, da noch keine Nachricht vom Datum der "Tannusère"-Aufführung. Im Conservatorium werde fleissigst "Ode au printemps" op. 76 gespielt, auch bei Kullak.

Verehrter freund, äkann heute nur zwei Zeilen schreiben, für Deinen letzten Brief und die darin enthaltenen Mittheilungen danken und ankündigen, daß ich erst nach den Feiertagen, nach Empfang Weimarischer Instructionen, das Nöthige betreffs des von Dir gütigst bearbeiteten Schott erwiedern kann. å Für diesmal nur einige kritische Schnitzel, leider betreffs Deines Werkes sehr dürftig, aber doch ermuthigend für mich und meine anständigen Pläne. Vor Allem aber muß ich Dir meine Freude aussprechen, daß mir der Vortrag der Suite sehr glücklich von den Fingern gegangen ist und daß der Erfolg im Publikum ein ungetheilt sehr günstiger gewesen. Mit Ausnahme des Präludiums ist jede Nummer ungewöhnlich lebhaft applaudirt worden. Nachfrage in allen Musikhandlungen zur gewiss grossen Überraschung von F. A. Kühn. Menuett habe ich „sponte“ dacapirt vom Alternativo ab, das nun bei der Repetition doppelt angenehm und heimlich erschien. Toccata wurde mit Verschiebung und – mit Ausnahme des Hauptmotifs – pianißimo senza Ped. gespielt. Wirkung so probat. Vor der Romanze hatte ich Manchetten. War dumm: denn sie hat nicht minder gefallen. äBeste Empfehlungen Deiner Frau Gemahlin und „vergnügte Feiertage“. Abreise nach Paris ist noch nicht bestimmt, da Nachricht vom Datum der ersten Tannusère-Aufführung noch fehlt. Freundschaftlichen Gruss von uns Beiden. Dein Dir ergebener Berlin, 20 Dez. 60. HvBülow. Im Conservatorium wird jetzt fleissigst „Ode au printemps“ gespielt – ditto bei Kullak. å [Copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (20. 12. 1860); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 16. 5 2026.