Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Dresden
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 19. August 1850 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 4
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter Freund!
Sie werden mir gewiß zürnen, daß ich so schlecht Wort gehalten
Veröffentlichung: Bülow 1895, S. 232f.; Marty 2014, S. 114f., Kannenberg 2020

entschuldigt sich, dass er dem E. seit über einem Jahr nicht mehr geschrieben und auch die Mahnung von Kroll ignoriert habe. Kündigt an, dass er am 24. [August] für acht Tage in Weimar eintreffen werde, um Liszts musikalische Herrlichkeiten zu hören. Möchte die Mutter überreden, mitzukommen. Habe Charles Mayer zur Mitreise bestimmt. Theodor Uhlig, ein Intimus von Wagner, dessen theoretische Arbeiten der E. aus der Brendelschen Musikzeitung kenne, komme wohl ebenfalls. Bittet um Reservation von Plätzen für "Prometheus", "Messias", "Lohengrin". Möchte neue Werke des E.s. Habe die Kritik in den "Signalen" zu Liszts "Prophetenillustrationen" gelesen und den Stil des E.s erkannt. Wurde in dieser Annahme durch die Unterschrift "mezzoforte" noch befestigt.

Verehrter Freund! Sie werden mir gewiß zürnen, daß ich so schlecht Wort gehalten und Ihnen seit länger als einem Jahre auf Ihren letzten Brief noch nicht geantwortet habe, auch selbst einer neulichen durch Kroll an mich erlassenen Mahnung nicht geachtet – doch binnen wenigen Tagen werden Sie das Vergnügen haben, mich in höchst eigener Person wiederzusehen da ich am 24sten dieses in Weimar einzutreffen gedenke um die dortigen musikalischen Herrlichkeiten zu genießen, welche Liszts zauberischer Dirigentenstab dort ins Leben rufen wird. Ich freue mich ausnehmend auf die 8 Tage, die ich in W. zubringen werde und die frohe Aussicht auch Sie nach so langer Entfernung wiederzusehen, trägt wahrlich keinen geringen Theil dazu bei. Ich hoffe, auch meine Mutter zu überreden mich nach W. zu begleiten. Charles Mayer habe ich schon ebenfalls schon zur Reise dahin bestimmt; Theodor Uhlig, ein hiesiger Musiker, Intimus von Wagner, dessen theoretische Arbeiten Sie aus der Brendelschen Musikzeitung kennen gelernt haben werden, wird wahrscheinlich auch mitkommen. Das Motiv, daß ich Ihnen so kurz vor unserer persönlichen Zusammenkunft noch schreibe, ist die Bitte, mir gütigst Plätze zu bestellen und zu reserviren für alle interessanten musikalischen Aufführungen, als Messias, Prometheus, Lohengrin u. s. w. aus den etwaigen anderen mache ich mir nicht viel – und wenn es in Ihren Kräften steht, auch den wahrscheinlichen, wenn auch noch nicht ganz sicheren Fall der Ankunft meiner Mutter in dieser Beziehung zu berücksichtigen. äFür Mayer, der mir zwar sein Kommen als ganz fest bestimmt hat, kann ich jedoch nicht Garantie leisten; ich denke, Liszt wird für denselben immer noch Billets übrig haben. Ist es nun nicht zu unbescheiden von mir, wenn ich Sie noch ersuche, mir durch ein Paar Zeilen hierher \umgehend/ d. h. nach Dresden, große Reitbahngasse 16. 1 Tr. wissen zu lassen, an welchem Tage die Fêten beginnen, da ich nicht gewiß weiß ob den 24 oder 25 August, und wann ich also von hier abreisen muss?å Ich bin sehr begierig wieder einmal etwas von Ihren Werken zu sehen oder zu hören wenn vielleicht Gelegenheit dazu da ist. Ich habe so sehr lange gar nichts von Ihnen zu Gesicht bekommen, ausgenommen einer Kritik in den Signalen über die Prophetenillustrationen von Liszt in der ich Ihren Styl zu erkennen glaubte, eine Meinung, die die Unterschrift mezzoforte noch befestigt hat. äMeine ergebensten Empfehlungen an Liszt. Leben Sie wohl, bester Herr Raff bis auf baldiges Wiedersehen und erfüllen Sie freundlichst meine Bitte. Ihr Hans v. Bülow. Dresden, 19 August 1850å



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (19. 8. 1850); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 22. 4 2026.