Absender: Joachim Raff (C00695)
Erstellungsort: Wiesbaden
Empfänger: Hans von Bülow (C00114)
Datierung: 18. September 1877 (Quelle)
Standort: Sächsische Landesbibliothek (Dresden)
Sammlung: Staats- und Universitätsbibliothek
Signatur: Mscr.Dresd.App.2551,56
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Lieber Freund!
Vergeblich haben wir bis heute deinem freundl. Besuch hierselbst entgegengesehen,
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Habe vergeblich auf den E. gewartet und zweifelt, ob sich dieser vor Abreise nach England überhaupt noch hierher wende. Müsse seine Sachen für die Übersiedlung nach Frankfurt packen. Müsse am 29. d. M. bereits dort übernachten, weil am 1. Oktober bereits Wagner hier einziehe, nicht der Bayreuther Freund des E.s, sondern ein preussischer Regierungsrat. Würde sich freuen, den E. als ersten Gast in Frankfurt zu begrüssen. Freut sich, dass es dem E. besser gehe. Dessen Bruder, der vier Wochen in England geweilt sei, habe sich nach dem E. erkundigt. Lene sei unpass, seine Frau und Toni packen und lassen packen. Habe mitten im trouble eine Phantasie für zwei Klaviere komponiert.

Lieber Freund! Vergeblich haben wir bis heute deinem freundl. Besuch hierselbst entgegengesehen, und ich beginne zu zweifeln, ob du vor deiner Abreise nach England dich überhaupt noch hieher wendest. Nun sind wir aber in der Lage, unsere Habseligkeiten behufs unserer Uebersiedlung nach frankfurt packen zu müssen. Am 29. d. M. müssen wir allbereits in letzterem Orte schlafen, da am 30. (Sonntags) nicht gezogen werden kann, und am 1. October in meinem hiesigen Quartier bereits Wagner eingezogen sein wird, nicht dein Baÿreuther freund, sondern ein preuß. Regierungsrath. Solltest du also jetzt hieherkommen, so wirst du uns in einer höchst ungemüthlichen Situation treffen. Wenn du aber im October noch auf dem Continent weilst, so wird es uns große freude machen, dich in unserer neuen Wohnung in frankfurt – Lehrstraße 39 parterre – als ersten Gast zu begrüßen. So viel ich höre, geht es dir, wenn auch nicht gerade „gut“, doch „besser“, und ich will nicht annehmen, daß in dieser hinsicht das bessere des Guten feind sei. Dein bruder, welcher 4Wochen in England weilte, hat sich dieser Tage wieder angelegentlichst nach dir erkundigt. Mancherlei wäre zu erzählen, und auszutauschen. Doch bleibt alles besser aufgespart bis zu einer Zeit, wo du ein ganz nervensicherer Mann bist. Ausserdem steckt man jetzt drin, und man muß sich daher ordentlich zusammennehmen, wenn’s zu was taugen soll. Sei also ausser Sorgen, daß ich dir den Kopf warm mache, wenn du uns besuchst. Du sollst gehalten sein wie ein rohes Ei. Leb’ wohl für heute! Lene ist unpaß, und meine frau und Toni packen und lassen packen. Mitten im trouble habe ich eine Phantasie für 2 Klaviere componirt, um doch auch Etwas zu thun. Alle grüßen schönstens. Dein getreuer Wiesbaden 18. Sept. 1877. JoachimRaff. copyright Simon Kannenberg



Bereitgestellt durch: Sächsische Landesbibliothek Dresden (SLUB)



Bereitgestellt durch: Sächsische Landesbibliothek Dresden (SLUB)


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Hans von Bülow (18. 9. 1877); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 11. 4 2026.